LEARNING BY DRINKING * WEINSEMINARE 2019

WISSEN & LEIDENSCHAFT

In den vergangenen 25 Jahren haben wir weit über 150 Weinveranstal-
tungen durchgeführt, die überwiegend Vergleichsproben oder die Vorstellung von Anbaugebieten, verbunden mit der Einladung von Winzern aus der jeweiligen Gegend, zum Thema hatten. Auf vielfachen Wunsch zahlreicher Gäste nehmen wir 2019 unsere Weinproben wieder ins Programm.

In diesem Jahr greifen wir vor allem Themen auf, zu denen es reichlich Kontroversen gibt – vielleicht auch immer geben wird. Wir wollen dabei versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen und zur Klärung mancher Sachverhalte beitragen. Und wir wollen versuchen Standpunkte zu beziehen, als Querdenker manchmal durchaus polemisch und zuspitzend.

Da geht es zum Beispiel um zweifelhafte »Wein-Bewertungen« in manchen Postillen, um Lob oder Kritik von Neuerscheinungen aus der Weinwelt – verdient oder unverdient, um die Punkte-Vergabe für hochwertige Weine, deren Komplexität sich nach unserem Ermessen einfach nicht in Schemata pressen lassen.

Dabei wollen wir auch verständlich machen, was in der Wein-Literatur allzu oft übersehen wird, weil es unzeitgemäß ist! Nämlich, dass Weine lebendige Gebilde und Schöpfungen sind, denen durchaus etwas Mythisches, Unaussprechliches anhaften darf. Wir wissen uns hierbei in bester Gesellschaft. Etwa mit Phy­sikern, die etwas Unbeantwortbares, Offenes jenseits ihrer Wissenschaft im Bereich der Philosophie verorten.

Noch drei Anmerkungen vorab:
Die Proben erfordern zum Teil eine Vorbereitungszeit von 4 bis 6 Wochen! In der Vergangenheit gab es an einigen Terminen No-Shows, so dass sich manche Proben nicht amortisiert haben. Wir bitten deshalb dafür um Verständnis, dass Reservierungen nur gegen Vorkasse bei Eingang der Zahlung eine Woche vor der Veranstaltung akzeptiert werden. Für jede Veranstaltung ist eine Mindestteilnehmerzahl von 10 Personen erforderlich!

__________________________________________________________________________

SONNTAG, 3. Februar 2019, 16.00 Uhr
Teilnahme * Pro Person 100,- €

CHINA – VON DER WEINLITERATUR SCHLICHT VERPENNT __________________________________________________________________________

Der Weinbau in China schafft es zwar immer öfter in die Schlagzeilen – aber nicht in die Wein-Periodika! Wenn man aber bedenkt, dass China gerade dabei ist, Spanien in punkto Anbaufläche von Platz eins zu verdrängen, wird dieses Thema sträflich vernachlässigt.

In China ist alles anders. Als diese Zeilen geschrieben wurden, ist die dortige Weinanbaufläche möglicherweise schon auf über eine Million Hektar angewachsen*. Die führenden Weingüter wie Chang yu oder Great Wall kommen jedes auf fünfstellige Hektar Rebfläche, was Global Player wie Mondavi oder Gallo wie Kleingewerbe-Treibende aussehen lässt. Zwar ist nicht die gesamte Rebfläche für die Wein-Produktion vorgesehen, aber aus Regierungskreisen hört man, dass China in spätestens 20 Jahren zur Wein-Elite aufschließen will. Neben der »Neuen Seidenstraße« für China ein eher unspektakuläres Projekt.

Da China keine Rebsorten aus der Familie der Edel-Reben aufweisen kann, konzentrieren sich die Anpflanzungen auf europäische Edel-Sorten wie Cabernet Sauvignon, Blaufränkisch, Sauvignon Blanc und andere der Vitis Vinifera. Etwa 90% der Fläche, die für die Wein-Produktion vorgesehen ist, sind roten Rebsorten vorbehalten, da die Chinesen (genauer: die neue chinesische Mittelschicht) Rotwein bevorzugen.

Wie wichtig der boomende Weinbau in China inzwischen auch für die führenden Weinbauländer geworden ist, zeigen sowohl Beteiligungen und Joint Ventures als auch der Erwerb von Wein­bergen, etwa durch LVMH oder einige Bordeaux-Châteaux. Zur Anstellung bei unserer Probe kommen neben den Tropfen aus China unter anderem Weine aus dem Bordelais sowie Kalifornien, aber auch anderen Anbaugebieten. Eine mehr als spannende Probe erwartet die Wein-Nasen!

*Weinanbaufläche Spanien 967.000 ha
Quelle: OIV Statistical Report on World Vitiviniculture 2018

__________________________________________________________________________

SONNTAG, 31. März 2019, 16.00 Uhr
Teilnahme * Pro Person 100,- €
ÖKO, BIO & BIODYNAMIE
__________________________________________________________________________

Diese Begriffe werden noch immer kontrovers und heiß diskutiert, obwohl die Vorzüge biologischer, biodynamischer und ökologischer Anbau- und Ausbaumethoden längst auf der Hand liegen. Die Rebflächen, die so bearbeitet werden, wachsen zumindest beständig – in­zwischen sogar im traditionellen und konservativen Milieu des Bordelais (z.B. Château Palmer, Château Pontet-Canet u.a.).

Die Grundbegriffe werden kurz erläutert und die wesentlichen Unterschiede zu konventionellem Weinbau aufgezeigt – nebst einer Erledigung des sinnfreien Begriffs »Naturwein«. Auch die momentan noch problematische Kupfer-Verwendung beim Pflanzenschutz werden wir bei dieser Gelegenheit unter die Lupe nehmen.

In den letzten Jahren wurde intensiv an Kupfer-Alternativen und der Optimierung der Wirkung von Kupferpräparaten geforscht. Dabei wurde deutlich, dass es für die Anwendung von Kupfer in vielen Anwendungsgebieten bisher keine hinreichend wirksamen Alternativen gibt. Gleichwohl sind bei der Reduzierung der Aufwandmenge von Kupfer, nicht zuletzt auch durch die Optimierung von Kupferpräparaten, deutliche Erfolge erzielt worden.

Freilich schnüffeln, schlürfen und bereden wir anhand von ausgewählten Weinbeispielen, ob signifikante Unterschiede festgestellt werden können oder ob es nur um eine andere Art von Weinbau geht. Für diese hochaktuelle und spannende Veranstaltung werden wir versuchen, einen Winzer als Co-Referenten zu gewinnen!

__________________________________________________________________________

SONNTAG, 30. Juni 2019, 16.00 Uhr
Teilnahme * Pro Person 100,- €
WEINBAU IM ZEICHEN DES KLIMAWANDELS __________________________________________________________________________

Ganz beiläufig erzählte uns GERT ALDINGER, Wengerter in Fellbach, vor geraumer Zeit, dass man am Kappelberg den Klimawandel bereits seit den 1990er Jahren beobachten kann: Die Reben begannen damals – bezogen auf den Durchschnitt früherer Jahrzehnte – schon 1 bis 2 Wochen früher zu blühen.

Als relativ nördlich gelegenes Weinbauland hat die BRD nicht umsonst die Oechsle-Grade als Qualitätsmerkmal ins deutsche Weingesetz geschrieben. Manche Trollinger z.B. erreichten – nicht nur des viel zu hohen Hektarertrages wegen – gerade mal 60 bis 65 Grad Oechsle.

Der Weinbau insgesamt, wie wir in der langen Trockenzeit im Sommer 2018 beobachten konnten, ist aber lange nicht so betroffen wie die übrige Intensivlandwirtschaft. Abgesehen von der Tro­ckenheit und dem Absinken des Grundwasserspiegels, werden jedoch Extremwetterlagen zunehmen, die vor allem junge Anlagen schädigen könnten. Auch Erosionen aufgrund von Starkregen werden künftig Veränderungen des Terrains verursachen.

Bedroht sind hauptsächlich spätreifende Sorten. Als Beispiel der Riesling: Um eine ausgewogene Aromatik und Finesse zu entfalten, braucht es mehr als 100 Tage von der Blüte bis zur Lese, was als Faustregel gilt. Reinhard Löwenstein, unser Terroir-Weggefährte von der Terrassen-Mosel, geht sogar von 120 Tagen aus, die Mosel-Rieslinge brauchen, um genügend Mineralstoffe und Spurenelemente aus den Böden zu assimilieren!

Dass sich die Weinbaugebiete nach Norden ausdehnen werden, scheint außer Frage zu stehen. Eine andere Frage ist allerdings, ob es dort die geeigneten Bedingungen dazu gibt (siehe TERROIR). Wir werden Weine aus Gegenden verkosten, die schon heute vom Klimawandel betroffen scheinen aber auch solche vom nördlichen Rand der »Weingrenze«, z.B. aus England und von der Insel Föhr! Wer weiß, vielleicht bald auch aus Skandinavien?

__________________________________________________________________________

SONNTAG, 8. SEPTEMBER 2019, 16.00 Uhr
Teilnahme * Pro Person 100,- €
TERROIR – MISSVERSTÄNDNISSE EN MASSE
__________________________________________________________________________

TERROIR ist immer noch ein schillernder Begriff, der einst als Totschlag-Argument für Qualität herhalten musste – und bis heute einmal als Scharlatanerie, ein andermal als Augen­wischerei abgetan wird. Gerne wird der Begriff TERROIR auch verkürzt mit den jeweiligen Weinberg-Böden und Gesteinsformationen gleichgesetzt. Und manche beziehen auch gleich den Winzer in den Begriff mit ein.

Was für ein Blödsinn! Denn jener »arbeitet« mit den verschiedenen Aspekten, die das TERROIR erst sinngebend erscheinen lassen. Ein paar Beispiele:
*Da sind freilich die verschiedensten Böden, die einen Weinberg ausmachen.
*Aber auch die Exposition der Weinberge, die Sonneneinstrahlung oder auch z.B. die Steillage gehören dazu.
* Eine weitere Rolle spielt der Wasser-Haushalt.
*»cool climate« oder nicht?
*undundund ein bisschen Esoterik – warum nicht?

Wein ist ein Kulturgut und Kultur beinhaltet immer auch Verstörendes, Irrationales, sprachlich nicht Fassbares. Ein 86er Mouton Rothschild oder eine 76er Beerenauslese von der Mosel kann Emotionen hervorrufen, die auch den guten alten Dionysos zufrieden gestellt hätten.

Reinhard Löwenstein hat dazu ein faszinierendes Buch mit dem Titel »Terroir: Weinkultur und Weingenuss in einer globalen Welt« verfasst, an dem wir uns gerne reiben werden. Unnötig zu erwähnen, dass sich zu dem Thema spannende Weine anbieten!

__________________________________________________________________________

SONNTAG, 3. NOVEMBER 2019, 16.00 Uhr
Teilnahme * Pro Person 100,- €
OBI’S SPECIAL: LEARNING BY DRINKING
__________________________________________________________________________

Wie kommt der Wein ins Hirn
und warum es so schwer ist,
sinnvoll darüber zu reden!

Viele Situationen in unserem Restaurant-Alltag, bei unseren Weinproben oder Tour-de-France-Veranstaltungen, haben uns dazu bewogen, einige unserer Erfahrungen auf den Punkt zu bringen, zu manch begrifflicher Klärung beizutragen und auch einem – Schwaben duckt Euch – Hedonismus das Wort zu reden. Unser Standpunkt: Wein und Speisen möchten eher genossen als analysiert werden.

Beim Wein ist es nach einiger Übung und einigen Flaschen völlig hinreichend zu wissen, ob er z.B. trocken oder nicht trocken, dünn oder cremig, sauer oder breit ist. Und auch diese wenigen Para­meter variieren, weil bei jedem die Wahrnehmungsschwelle für Aromen und Molekülverbindungen unterschiedlich ist. Diese zu trainieren oder zu verschieben, ist äußerst schwierig bis unmöglich.

Daran schließt sich natürlich die Problematik der immer wiederkehrenden Weinbewertungen und -beschreibungen in den Wein-Gazetten an. Wir erlauben uns, deren »Methoden« als Bullshit zu bezeichnen! Im Wein können etwa 800 bis 1000 Aromen unterschieden werden. In hochwertigen, komplexen Weinen findet sich ein großer Anteil davon. Deshalb ist es einfach eine Anmaßung, mit vier oder fünf Früchten und Gewürzen einen Wein beschreiben zu wollen. Zudem können wir nicht verhindern, dass Düfte und Ge­rüche nicht bewusst wahr­genommen werden. Denn diese wirken direkt auf entwicklungs­geschichtlich sehr alte Teile des Gehirns. Emotionalität kann also nie ausgeschlossen werden. Dabei ist diese freilich erwünscht, da sie doch den Genuss erst möglich macht, ja sogar steigert.

Deshalb möchten wir den Begriff MUSTERERKENNUNG einführen, der aus der Wahrnehmungspsychologie stammt und sich wunderbar eignet, Weine, aber auch Speisen zu erkennen oder besser – wiederzuerkennen. Weinbeispiele dazu? Zuhauf!

__________________________________________________________________________

RESERVIERUNGEN

* Bitte reservieren Sie nur telefonisch 07 11 / 62 12 48 oder persönlich im Restaurant.

* Die Proben erfordern zum Teil eine Vorbereitungszeit von 4 bis 6 Wochen! Neben den hochwertigen Weinen, die bei den Verkostungen präsentiert werden, mag dies auch die Kalkulation für die Veranstaltungen erklären. In der Vergangenheit gab es an einigen Terminen No-Shows, so dass sich manche Proben nicht amor­tisiert haben. Für jede Veranstaltung ist eine Mindestteilnehmerzahl von 10 Personen erforderlich!

* Zur besseren Planung bitten wir Sie 10 Tagen vor der jeweilgen Veranstaltung um Vorkasse auf unser Konto bei der Südwestbank.
IBAN: DE47 600 907 000 427 809 002 • BIC: SWBSDESS

* Bitte geben Sie dabei Ihren vollständigen Namen mit Anzahl der
Personen an sowie den Namen der Veranstaltung mit Datum
(z.B. Name / 2 / Weinprobe / 3.2.2019).

* Gerne bieten wir auch weiterhin Weinproben zu Themen Ihrer Wahl an (Vorlaufzeit: 6 Wochen)!

Wir freuen uns natürlich auch auf Ihren Besuch außerhalb unserer Veranstaltungen.

Unsere Öffnungszeiten
Dienstag bis Samstag: 18.00 – 00.00 Uhr
Sonntag und Montag: Ruhetage
Reservierung erwünscht.

 

*Die Anzahl der Teilnehmer pro Veranstaltung ist begrenzt. Verbindliche Anmeldungen nehmen wir telefonisch oder direkt im Restaurant entgegen.


Augustenstraße 104
70197 Stuttgart
Reservierungen Tel. 07 11 / 62 12 48
Geöffnet Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr